Historie

Rahnsdorf wurde als slawisches Fischerdorf zwischen Müggelspree und Müggelsee gegründet. Seine Ortsform Sackgassendorf ist typisch für die erste Siedlungsphase der deutschen Zuzügler wohl im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts. Vermutlich geht der Name auf das Heimatdorf der ersten Siedler in der Nähe von Wittenberg zurück. Dort besteht auch ein Woltersdorf, was darauf schließen lässt, dass beide Orte in einem ähnlichen Zeitraum gegründet wurden. 1319 wurde der Ort zum ersten Mal urkundlich in einer Abrechnung der Burg Köpenick erwähnt. Es war nicht verhuft, weil es noch 1450 keine Äcker gab. Der Ort hatte 1487 die Fischereigerechtigkeit in den Gewässern des Schlosses Köpenick. Seine Einwohner verrichteten Kossätendienste, wahrscheinlich durch Fischfang und entsprechende Lieferpflichten an das Schloss. Es gab inzwischen 16 Hufen, von denen vier dem Schulzen gehörten.

Während des Mittelalters gab es in Rahnsdorf noch keine Kirche. Eine erste Dorfkirche wurde gegen 1660/1670 erwähnt. Im Jahr 1801 war Rahnsdorf noch immer ein Fischerdorf mit knapp 20 Dorfbewohnern, die keine Höfe mit Hufenbesitz besaßen, sondern nur Katen. 1856 gab es bereits 43 Familien.

Im Jahr 1872 brannte das Dorf vollkommen ab und wurde anschließend neu errichtet. In den 1890er Jahren wurde Hessenwinkel zur Villenkolonie ausgebaut und 1891 zu Rahnsdorf eingemeindet. Im gleichen Zeitraum gründete die Deutsche Volksbaugesellschaft für Bürger aus dem einfachen Volke auf dem Gebiet des Gutsbezirks Rahnsdorf die Villenkolonie Neu-Rahnsdorf. Im Jahr 1902 gab sich Kolonie mit dem zentralen Platz und sternförmig abgehenden Straßen die Bezeichnung Wilhelmshagen. 1912/1913 entstand die Triglawbrücke, die die Insel südlich der seit 1879 „neuen Spree“ mit Hessenwinkel verband.

Am 1. April 1914 wurde der Gutsbezirk Rahnsdorf mit Wilhelmshagen in die Landgemeinde Rahnsdorf eingegliedert.

Bei der Eingemeindung nach Groß-Berlin am 1. Oktober 1920 wurde die Landgemeinde Rahnsdorf mit 2801 Einwohnern dem Verwaltungsbezirk Cöpenick zugeordnet. Der Ostteil des gleichzeitig eingemeindeten Forstgutbezirks Cöpenick wurde mit Rahnsdorf zusammengelegt. Die lagunenartige Wassersportkolonie Neu-Venedig an der Müggelspree entstand 1926 und hat sich bis heute zur Wohn- und Wochenendhaus-Siedlung entwickelt. 1929 baute die Verwaltung die Grundschule an den Püttbergen und 1933 errichtete die katholische Kirche die Heilige-Drei-Könige-Kirche.

Im Zweiten Weltkrieg wurde im Wald östlich von Wilhelmshagen das Arbeiterdurchgangslager Berlin-Ost eingerichtet, das zwischen 1942 und 1945 von Hunderttausenden Zwangsarbeitern durchlaufen wurde. Es besaß einen eigenen Bahnanschluss und eine betonierte Rampe, die bis heute erhalten ist. In 20 Baracken wurden die zwangsrekrutierten Arbeitskräfte aus allen besetzten Ländern Europas registriert und für einige Tage untergebracht, bevor sie auf Rüstungsbetriebe in Berlin und das Umland verteilt wurden.
Am 6. April 1945 stürmten in Rahnsdorf etwa 200 Frauen und Männer zwei Bäckereien. Damit protestierten sie gegen die unzureichende Verteilung von Brot, insbesondere die Bevorzugung von Mitgliedern nationalsozialistischer Organisationen, nachdem Sondermarken für Brot an Mitglieder von NS-Organisationen ausgegeben worden waren. Nach Denunziation wurden 15 von ihnen verhaftet. Zum Andenken wurde in der Fürstenwalder Allee 27 eine Gedenktafel angebracht.
Zu DDR-Zeiten wurde im Ortsteil ein Kinderferienlager errichtet und unterhalten.

Der Wohnbereich Hessenwinkel nimmt eine besondere Stellung in Rahnsdorf ein; die Villenkolonie hat sich über viele Jahre kaum verändert. Doch in der DDR-Zeit wurde in den 1970er Jahren hier auf Teilen der Grundstücke Fürstenwalder Allee 356 und Fahlenbergstraße (heute: Clara-Müller-Jahnke-Straße) eine Kaserne als Ausbildungsstätte für die Grenztruppen errichtet. Nach der deutschen Wiedervereinigung und der Abwicklung der NVA dienten die Gebäude noch längere Zeit zur Unterbringung von Asylbewerbern. Seit dem Jahr 2000 stehen alle Gebäude leer und verfallen. An dieser Stelle sollen gemäß einem Ende 2024 gefassten Beschluss der BVV Treptow-Köpenick unter dem Begriff Kaserne Hessenwinkel (Gesamtfläche von 4,69 Hektar) neue Wohnbauten entstehen. Der Vorschlag, die bestehenden Gebäude der Kasernenanlage wirklich umweltverträglich so umzubauen, dass Wohnraum entstünde und der alte Baumbestand geschützt werden könnte, wurde abgelehnt. Die ursprünglichen Planungen, rund 450 Wohneinheiten auf mehrere Gebäude mit sechs bis acht Geschossen verteilt zu errichten, wurde leicht angepasst beibehalten. Zudem soll der auszuarbeitende Bebauungsplan eine Kita, eine Quartiersgarage, Frei- und Ausgleichsflächen und einen Neubau für die Freiwillige Feuerwehr Wilhelmshagen enthalten. Platz für modulare Flüchtlingsunterkünfte soll auch vorgesehen werden. Terminvorstellungen gibt es zu dem Vorhaben jedoch noch nicht (Stand: Januar 2025), Vom 2. bis zum 25. April 2025 fand dazu eine frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung gemäß § 3 Abs. 1 Baugesetzbuch (BauGB) statt. Es gingen 1700 Äußerungen ein, was die starke Umstrittenheit des Projekts in der Öffentlichkeit widerspiegelt. Die Höhe der geplanten Gebäude wurde im Anschluss um ein Geschoss reduziert. dafür aber ein zusätzliches siebengeschossiges Gebäude vorgesehen. Erste Abrissarbeiten auf dem Gelände mussten 2025 gestoppt werden, nachdem man neben anderen Arten auch Zwergfledermäuse entdeckte.

Am 11. November 1916 kam es zu einem schweren Eisenbahnunfall in der Nähe des Bahnhofs Rahnsdorf: Eine Rotte von Gleisbauarbeiterinnen – aufgrund des Arbeitskräftemangels im Ersten Weltkrieg wurden hier Frauen eingesetzt – winkte den Soldaten eines vorbeifahrenden Militärzuges zu. Dabei überhörten sie das – zu spät abgegebene – Warnsignal für einen Zug, der sich auf dem Gleis näherte, auf dem sie selber standen. 19 Frauen kamen ums Leben. Der Sicherungsposten wurde zu einem Jahr Gefängnisstrafe verurteilt.

Rahnsdorf und seine Geschichte 1934 als PDF

Ortschronik Rahnsdorf 1987 als PDF

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